WilsonWilson MitgliedKommentare: 10 Danke erhalten: 0 Mitglied seit: Mai 2015

Hallo Leute,

vorweg gesagt: „Ich suche hier keinen juristischen Rat“, sondern möchte nur mal hören, ob hier jemand schon mal einen vergleichbaren Fall hatte und wenn, wie es bei Euch ausgegangen ist, bzw. wie Ihr Euch dagegen schützt.

Mein Fall:

Ich habe einen Artikel über den Shop verkauft, der Kunde zahlt per Paypal Express.

Unmittelbar nach Erhalt der Lieferung aktiviert der Kunde den PayPal Käuferschutz, mit der Begründung: „Ware nicht wie Beschrieben; Es wurde ein weißer anstatt eines grünen Artikels geliefert“. Er bittet zugleich um Rücknahme des Artikels und Erstattung des Kaufbetrages. PayPal behält vorerst den Kaufbetrag ein…

Über das PayPal Käuferschutz-Prozedere bitte ich den Kunden, mir ein Foto des angeblich falsch gelieferten Artikels, sowie der Verkaufsverpackung zu senden.

Dem kommt der Kunde auch nach und schickt mir ein Foto mit dem richtigen Karton (Artikelbezeichnung und Abbildung stimmen), und mit einem Artikel des gleichen Modells, aber in einem mir bis dahin unbekannten Design.

Nach Rückfrage bei meinem Hersteller erfahre ich, dass es sich um ein älteres Modell aus 2016 handelt. Ich arbeite erst seit Anfang 2018 mit diesem Hersteller und kannte dieses Modell bis dahin gar nicht, und hatte es demzufolge auch nie im Bestand.

Ich habe dann telefonisch mit PayPal Kontakt aufgenommen und den o.g. Sachverhalt geschildert. Mir wurde gesagt, man werde weitere Informationen vom Kunden anfordern und sich dann wieder bei mir melden.

Die Rückmeldung kam dann recht zügig, und mir wurde per E-Mail mitgeteilt, dass Paypal (als nicht juristische Instanz?) eine Entscheidung getroffen habe. Der Kunde ist aufgefordert worden, den (angeblich falsch gelieferten) Artikel zurück zu schicken. Der Kunde soll den Kaufbetrag von meinem Konto zurückerstattet bekommen sobald ich über die PayPal Seite den Empfang bestätige. Bestätige ich den Empfang des Paketes nicht, wird via Versand-Tracking die Zustellung festgestellt und der Kaufbetrag wird dann von meinem Konto zurückgebucht.

Unabhängig von dem fragwürdigen Verhalten von PayPal, geht es mir hier in erster Linie um das Verhalten des Kunden.

Denn es ist für mich offensichtlich, dass der Kunde sich hier, über welche Kanäle auch immer, ein billiges Auslaufmodell von 2016 besorgt hat, welches ihm nicht passt, oder gefällt. Über meinen Shop hat er sich dann seinen eigentlichen Wunschartikel bestellt und versucht nun die Preisdifferenz unter Zuhilfenahme des PayPal Käuferschutzes aus mir raus zupressen.

Für mich ist das Betrug, oder im Moment noch ein Betrugsversuch und ich denke über eine Strafanzeige nach.

Hat jemand von Euch schon mal vergleichbares erlebt?

 

Danke und Grüße

Wilson

Kommentare

  • brettvormkoppbrettvormkopp MitgliedKommentare: 1297 Danke erhalten: 275 bearbeitet 4. Dezember Mitglied seit: März 2013

    Jo, dabei ging es um ein ~30€ teures T-Shirt mit Versand in die Schweiz was angeblich nicht geschickt wurde. Paypal hatte damals sich für den Kunden stark gemacht. Ich wusste allerdings, dass es eine fingierte Masche war, da ein Ex-Partner mich auf Paypal sperren wollte. Dieser hatte sich dann mit der Schweizerin in Verbindung gesetzt und diesen "Plan" umgesetzt. Hat nur nicht geklappt,verlief im Sand, soll aber heut nicht mehr gehen. :-D

    Weiterer Fälle von Bekannten: Produkte zurückschicken ohne Retoureschein und Tracking ("aber ich habe es doch zurückgeschickt"), neue gegen gebrauchte Batterien getauscht, leere Kartons, defekte Kartons mit Löchern und ohne Ware (ja nee is klar), 1000Teile-zerborstenes Porzellan (der Typ war der Knaller, weil das gar nicht so fein zerbersten Kann ausser Hydraulikpresse :-D ) oder alte Geräte zurückschicken und anschliessend bei Paypal rumheulen.

    Soweit ich mich erinner war der "Käuferschutz" ja wegen der Zahlreichen eBay Betrügereien erfunden worden. Am Anfang waren es wenige Tage, dann 180Tage und jetzt glaub ich sogar 1 Jahr Käuferschutz? Stimmt das? Mittlerweile kann man eher von "Betrügerschutz" sprechen.

    Und eigentlich muss man hier auch weiter ausholen. Der Staat, hier die BRD, hat Käufer jahrelang im Onlinehandel nicht ausreichend vor Betrügern geschützt. Fakeshops, AGB-Betrug, Inkassoschwadronen. Und diese Rechts-Aufgabe hat dann eben Paypal übernommen. Nichts anderes als ein Inkassounternehmen, nur halt umgedreht und sehr Kundenfreundlich, bzw Händlerhassend. Das Geld bringt ja der Käufer und nihct der Verkäufer.

    Wie geht man mir solchen Kunden um: Kundendaten sammeln und sperren. Denn die meisten versuchen es öfter.

    Danke von 2Wilson ent_dev
  • jonathanjonathan MitgliedKommentare: 123 Danke erhalten: 24 Mitglied seit: September 2013

    Wir haben solche Betrugsversuche fast jede Woche. Meistens alte Ware gegen neue oder günstigere ähnliche Modelle von anderen Händlern. Allerdings idR über Rechnungszahlung. Selbst wenn Paypal da gegen uns entscheidet ziehen wir übers Inkasso / Gericht / Strafverfahren durch.

    Danke von 1Wilson
  • WilsonWilson MitgliedKommentare: 10 Danke erhalten: 0 Mitglied seit: Mai 2015

    Oh, da bin ich wirklich noch ein unbescholtenes Kind. In meinen ca. 15 Jahren ist das tatsächlich mein erster Fall und ich bin da noch ein wenig unbeholfen.

    @jonathan‍ Wenn Ihr ein Strafverfahren durchzieht, lasst Ihr das direkt über Euren Anwalt laufen, oder gebt Ihr die Strafanzeige direkt bei der Polizei auf?

    Vor allem: Wie beweist Ihr, dass Ihr ursprünglich auch den tatsächlich richtigen Artikel verschickt habt? Denn in der Regel ist ja kein Notar beim Versand anwesend, der das bestätigt.

  • artepartep MitgliedKommentare: 3486 Danke erhalten: 561 Mitglied seit: Juli 2010

    Also die Beweislast liegt bei Dir. Du müsstest mit Deinem Händler klären, ob er die älteren Artikel überhaupt noch hat und verkauft!!!  Anhand Deiner Einkaufsrechnungen sieht man ja auch welche Artikel Du eingekauft hast.

    Danke von 1Wilson
  • WilsonWilson MitgliedKommentare: 10 Danke erhalten: 0 Mitglied seit: Mai 2015

    @artep‍ Ja, das lässt sich in meinem Fall über die Einkaufsrechnungen darstellen; wenn das einem Richter reicht...

    Aber ein Hammer ist es natürlich schon, wenn wie oben geschrieben, die Kunden versuchen z.B. leere gegen neue Batterien zu tauschen.

    Rein theoretisch kann ja jeder Kunde erst mal behaupten, einfach nur einen „Stein“ erhalten zu haben...

  • artepartep MitgliedKommentare: 3486 Danke erhalten: 561 Mitglied seit: Juli 2010

    Tja so ist das leider. Habe ich auch schon erlebt, wenn auch nicht oft.  Da wurde behauptet 3 Artikel fehlten von 4. Obwohl ich genau wusste dass das nicht stimmt (habe ich selbst eingepackt und konnte mich daran sehr gut erinnern) musste ich die Artikel neu liefern. Da ärgert man sich schwarz. Wie will man das Gegenteil beweisen? 

    Danke von 1Wilson
  • jonathanjonathan MitgliedKommentare: 123 Danke erhalten: 24 Mitglied seit: September 2013

    Die Sache ist am Ende recht einfach. So Leute machen das nicht nur einmal. Und wenn da alle X Wochen / Monate eine Strafanzeige von verschiedenen Händlern eingeht, ist es irgendwann so weit, dass die Polizei vor der Tür steht, und schaut ob die "verlorene" Ware nicht doch bei den Leuten zuhause zu finden ist. Da kriegen wir teilweise noch Meldungen von Strafverfahren von vor 2 Jahren. In dem einen Bundesland / Region mag es 5 mal klappen. In Berlin oder Bremen auch 25 mal. Irgendwann knallt es aber bei den Hobby-Betrügern, die mit der eigenen Identität arbeiten immer.

    @Wilson‍ Brief an die zuständige Staatsanwaltschaft. Bitte niemanden direkt beschuldigen. Ob es der Kunde unterschlagen hat oder sich Nachbar / Paketbote bereichert hat kannst Du ja nie wirklich wissen - das ist Sache der Staatsanwaltschaft. Situation kurz beschreiben und um Prüfung bitten. Zusätzlich ggf. noch: "Ich stelle Strafantrag wegen aller in Betracht kommender Delikte" falls es sich um geringwertige Sachen handelt. Schadet ansonsten aber auch nicht.

    Danke von 1Wilson
  • brettvormkoppbrettvormkopp MitgliedKommentare: 1297 Danke erhalten: 275 bearbeitet 5. Dezember Mitglied seit: März 2013

    ich habe mal eine Doku über einen Versandhändler gesehen, der fotografiert den Kartoninhalt bevor er verschlossen wird. Zalando, Thomann, kein plan mehr wer das war. Jedenfalls kann der bei gestapelten Artikeln nicht alles aufnehmen, aber Risiko sinkt.

    EDIT: Ausserdem werden Pakete ja auch gewogen. Also wenn man nicht gerade Federn versendet lässt sich da genau feststellen ob ein Artikel gefehlt hat.

    Danke von 1Wilson
  • malzfonsmalzfons MitgliedKommentare: 1645 Danke erhalten: 299 Mitglied seit: Oktober 2015

    Ich muss aber auch sagen dass wir durchaus schon Fälle hatten wo sich ein gebrauchtes Gerät vom Hersteller zu uns in der Schachtel befand. Unabsichtlich aus versehen hald. Ist aber vor dem Versand zum Kunden noch durch Zufall entdeckt worden.

    Danke von 1Wilson
  • ShopwareianerShopwareianer MitgliedKommentare: 3186 Danke erhalten: 570 bearbeitet 6. Dezember Mitglied seit: November 2013

    Tja so ist das leider. Habe ich auch schon erlebt, wenn auch nicht oft.  Da wurde behauptet 3 Artikel fehlten von 4. Obwohl ich genau wusste dass das nicht stimmt (habe ich selbst eingepackt und konnte mich daran sehr gut erinnern) musste ich die Artikel neu liefern. Da ärgert man sich schwarz. Wie will man das Gegenteil beweisen? 

    Das ist prinzipiell sehr schwer. Kunden wird es da in Deutschland wie immer sehr leicht gemacht.

    Prinzipiell müsste man praktisch alles auf Kamera aufnehmen - also wenn man verpackt -
    Aber selbst dann könnte theoretisch natürlich immer etwas entnommen werden.

    Man könnte ebenfalls das Gwicht des Paketes vergleichen. DHL & Co. wiegen ja die Pakete. Sprich, wenn angeblich 3 Artikel fehlen würden, müsste das Paket natürlich leichter sein.

    Allerdings auch hier wieder: Du bist als Händler dafür verantwortlich, dass die Ware im vollen Umfang beim Kunden ankommt. Selbst wenn DHL es verschuludert, ist es immer noch dein Bier. Prinzipiell hat man also gegen solche Betrüger keine Chance.

    Der Betrüger welcher das ausnutzt würde dann einfach sagen, dass irgend jemand bei DHL oder dergleichen etwas entnommen hat. Das Gegenteil wirst du niemals beweisen können. Alles für den Verbraucher eben, der Händler ist doch immer der gelackmeierte :) 

     

    Habe auch schon Kunden erlebt, die teure Technik Geräte zurück senden und meinen es wäre Defekt - Tatsächlich haben Sie einfach Ihr altes Gerät zurück gesendet. Hier hilft es nur, vor dem packen die Seriennummern der Geräte nachweislich zu sichern. Sodass wenn der Kunde betrügen will, man hier eben ganz klar sagen, dass er absichtlich das falsche Gerät zurück gesendet hat.

    Der Kunde der das versucht hatte und aufgeflogen ist, hat dann natürlich gesagt - Obligatorisch: Der Azubi hat da wohl etwas vertauscht. Ja ne is klar ... 
    Da hilft dann auch nur noch die Strafanzeige.

    Danke von 1Wilson
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